Ein kleiner Realitätscheck

Revolution ? Aus alle Fälle Veränderung | Quelle : wirsindeins.wordpress.com

Revolution ? Aus alle Fälle Veränderung | Quelle : wirsindeins.wordpress.com

Haben sie schon mal den Duktus der vielen Redakteure bei den vielen großen Zeitungen bezüglich der “Occupy-Bewegung” angesehen ? Wenn nicht, dann sollten sie das Mal tun.

Die Bewegung wird alles genannt. Allen vor ran: Es sei ein reiner “Anti-Banken-Protest” genannt. Die “Bild” fragt sich Weltretter oder nur Demo-Spinner? Der ehemalige Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, Joachim Gauck, nannte die Bewegung “albern” und prophezeite deren schnelles Ende. Diesen Verklärungsversuchen der Medien verstehen viele Menschen nicht und auch ihre Foristen ärgern sich über die negative Berichterstattung der Bewegung durch die Redakteure. So mancher schwört sogar der jeweiligen Zeitung oder dem Magazin ab. Zeit mal etwas klarzustellen.

Das ist definitiv kein reiner Anti-Banken-Protest, sondern ein Protest gegen zunehmenden Sozialabbau, Chancenungleichheit in der Bildung, Niedriglöhne und Ausbeutung und natürlich gegen Lobbyismus und Vetternwirtschaft in der Politik. Ja, es ist ein Protest gegen das System, welches sich seit den 1980er Jahren verbreitet, aber seit den letzten 10 Jahren deutlich zu sehen ist. Jetzt werden natürlich wieder die Artikel erscheinen, die alle Forderungen als substanzlos und unwahr betiteln werden.

Vor allem ist es falsch, das alles in New York anfing. Schon vorher gab es Proteste mit der Titel und der Forderung “Democracia Real Ya“, die in Spanien ihren Beginn hatte. Die gesamte Occupy Bewegung kann man als Fortsetzung der spanischen Bewegung sehen. Den Namen “Occupy” stammt meiner Erkenntnis nach aus New York.

Ein Beispiel dafür ist Entwicklung der Reallöhne. Während der Spiegel meint sie seien kräftig gestiegen, hat das “Manager-Magazin” zwei Tage vorher getitelt “Mageres Lohnplus für Beschäftigte”. Lustig dabei: Beide gehören der gleichen Verlagsgruppe an. Fakt ist jedoch, dass der deutsche Arbeitnehmer seit 10 Jahren Reallohneinbußen verzeichnen muss, Tendenz sinkend. 2011 soll der Zuwachs des Reallohns nur noch bei mickrigen 0,6 % gelegen haben. Bei einer Inflationsrate von 2,5 % bedeutet dies, das der Deutsche 2011 1,9 % weniger Geld in der Tasche hatte. So geht es schon mehrere Jahre lang. Das Mal so als kleine Exkursion, für als diejenigen, die meinen das stimme nicht.

Weiteres Beispiel für den die Richtigkeit von Thesen und Argumenten der Bewegung ist unser Bildungssystem. In Deutschland ist das nicht so heftig in den USA, wo man für das College und die Universität schon mal 100.000 $ und mehr Schulden macht und von der Zinslast der Kredite erdrückt wird. Aber auch hier gibt es Dinge, die wir dringend ansprechen müssen. So zum Beispiel in der Chancengleichheit. So ist bewiesen, das Kinder aus Familien mit Hochschulabgängern, eher Gymnasien besuchen und studieren, als Kinder aus “bildungsfernen Schichten” (der Begriff ist schon eine Beleidigung der Menschen würde.), zu denen nicht nur Migrantenkinder zählen, sondern auch Kinder aus deutschen Familien, deren Eltern arbeitslos sind oder in den sogenannten “Niedriglohnsektoren” arbeiten. Es liegt eher weniger am Geld, den Studiengebühren in Deutschland gibt es nur noch in wenigen Ländern. Es liegt vor allem auch an Grundschullehrern, die durch “Bildungsempfehlungen” den zukünftigen Weg vorbestimmen. Diese werden nicht immer nach objektiven und leistungsabhängigen Maßstäben vergeben, sondern nach herkunftstechnischen Gründen. So gibt man eher einem Kind einer Akademikerfamilie eine “Gymnasialempfehlung” als einem Kind aus einer einkommensschwachen bzw. und sozialschwachen Familie. Um jedoch fair und objektiv zu bleiben, muss man dazu noch sagen, dass die Unterstützung der Kinder durch Eltern aus Migrantenfamilien oft fehlt, was ich aus eigener Erfahrung sagen kann. Ein weiteres Problem sind die Massen an Studenten, die durch das G8-Abitur und dem Wegfall der Wehrpflicht auf Universitäten stürmen. So kann es mal dazu kommen das auf einen Studienplatz in den Fächern BWL, Jura oder Psychologie, sechs Bewerber kommen. An der Freien Universität Berlin kommen auf 4000 Studienplätze 30.500 Bewerber. Auditorien sind überfüllt und selbst die Mensen sind zur Mittagszeit überfüllt.

Das sind nur zwei Gründe, warum junge Menschen und ältere Mitbürger auf die Straße gehen. Sie wollen keine Anarchie, Geld oder materielle Dinge. Sie treibt nur die Forderung und der Wunsch nach einer fairen Gesellschaft an, wo Arbeit gerecht entlohnt wird und Menschen aller Bevölkerungsgruppen die Chance haben auf eine bezahlbare Bildung in menschenwürdigen Verhältnissen. Eines haben sie schon mal geschafft: Endlich aus der Lethargie rauszukommen und was zu tun. Nicht alles Hinzunehmen und als “alternativlos” abzustempeln. Es gibt immer Alternativen. Schon jetzt haben sie ein Ziel erreich, wenn der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken Fehler einräumt.

Noch mal zum Mitschreiben: Die Leute demonstrieren gegen Lohndumping, Ausbeutung und Arbeitslosigkeit und für einen gerechten Arbeitsmarkt. Sie sind gegen die Macht der Lobbys und für mehr Basisdemokratie und Mitbestimmung in wichtigen politischen Fragen. Sie sind für eine nachhaltige Wirtschaft und gegen kurzfristige Profitmaximierung durch Stellenabbau und ökologischen Raubbau. Sie sind frei, unabhängig und werden sich von keiner Partei ausnutzen lassen. Sie sind, um es kurz zu sagen: für ein neues System, das den 99 % dienen soll und nicht den der 1 %-Spitze.

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